Die Geschichte unserer Stadtkirche

Die Anfänge unseres schönen Gotteshauses liegen leider immer noch etwas im Dunkeln. Dadurch können wir zur Gründung der Stadtkirche nur vermuten, dass sie bereits gegen Ende des 1. Jahrtausends zu der 1082 in Sindelfingen geweihten St. Martin-Kirche gehört hat, zuerst also Filialkirche gewesen ist.

Aus dieser ursprünglichen Filiale muss jedoch bald, mit dem Einfluss des Böblinger Adels, eine Pfarrkirche auf dem Schlossberg entstanden sein. Urkundlich erwähnt ist ein Böblinger Kirchherr um 1275. Der Krichenpatron könnte ursprünglich ein anderer gewesen sein als der Heilige Dionysius

Bei dem unteren Teil des in frühgotischer Bauweise ausgeführten Kirchturms aus Keupersandstein handelt es sich um den ältesten noch erhaltenen Teil unserer Kirche, entstanden in der Zeit zwischen 1200 und 1250. Anlässlich der letzten grossen Kirchenrenovierung im Jahr 1983 stiess man im Fussboden des Kirchenschiffs und auch im Chor auf verschiedene Vorgängerkirchen, deren Alter, wie bereits erwähnt, bis ins 1. Jahrtausend zurückreichen dürften. Dies belegt, dass unsere Kirche bereits mehrere Vorkirchen hatte und natürlich auch die vielen Veränderungen im Laufe der vergangenen Jahrhunderte.

Um das Jahr 1340, so berichtet Richard Maisch in seiner Baugeschichte, habe man den Chor erstellt und auch das Langhaus verbreitert und erhöht. Im Jahr 1550 wurde eine umfassende Turmreparatur vorgenommen, welche auch eine Veränderung des Turmaufbaus mit einbezog. Eine weitere grosse Kirchenreparatur und Veränderung vollzog sich im Jahre 1707. Hier wurde der nicht mehr zu reparierende spätgotische Turmaufbau abgetragen und nach den Plänen des Böblinger Werkmeisters Michael Stahl jr. der Turm um ein drittes Stockwerk mit einer barocken Haube ergänzt. Ausserdem wurde ein hölzerner Turmumgang angebracht, der dem Stadtwächter zur Umschau nach "Feind und Feuer" und dem Zinkenisten zum Abblasen der Choräle diente. Dieser wurde jedoch bei der nächsten Reparatur 1738 wieder abgenommen.

1892 gab es wieder umfangreiche und gravierende Änderungen. So wurden vor allem weitere Sitzplätze geschaffen und drei neue Chorfenster des Münchner Glasmalers Gustaf van Treeck eingesetzt. Eine neue Orgel wurde von Orgelbaumeister Weigle/Echterdingen gefertigt. Ebenso wurde die Kanzel erneuert. Die schöne Kirchenbemalung besorgte der Kunstmaler Wennagel. Leider wurden bei der letzten Renovierung vor dem Krieg im Jahr 1932/33 wesentliche Teile dieser Kirchenrenovierung von 1892 wieder rückgängig gemacht.

Die schwerste Stunde schlug unserer Stadtkirche in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943, als sie bei einem schweren Fliegerangriff in Schutt und Asche gelegt wurde. Nach dem Krieg war unsere Stadtkirche 1949/50, als eines der ersten Gebäude in Böblingen, unter grössten Opfern der Bürgerschaft, wieder aufgebaut worden. Die festliche Einweihung erfolgte am 17. Dezember 1950.

1983 wurde dann die letzte grosse Renovierung durchgeführt. So wurden der Chorbögen aufgeweitet, die Bänke gegen Stühle ausgetauscht, Altar und Kanzel erneuert und die Seitenempore abgebrochen. Der Chor erhielt fünf farbig gestaltete Chorfenster, die von dem Künstler Prof. Hans Gottfried von Stockhausen geschaffen wurden (1983/84). Diese Fenster, hergestellt in der Stuttgarter Glaswerkstätte Valentin Saile, spannen in 28 Motiven Bogen von den zentralen Gleichnissen Jesu bis zu den Werken der Barmherzigkeit. Der Künstler gibt dabei die wesentlichen Aussagen des christlichen Glaubens wieder und stellt diese in einen Zusammenhang, der den Betrachter zur inneren Einkehr auffordert. In den zweibahnigen Seitenfenstern hat er links die Gleichnisse Jesu und rechts die Werke der Barmherzigkeit dargestellt. Die mittleren, dreibahnigen Fenster zeigen 12 Szenen aus dem Leben Jesu, neun davon aus der Pasionsgeschichte. Die Fenster müssen aus der Nähe betrachtet werden und von Stockhausen selbst sagte dazu: "Ich habe meine Aufgabe erfüllt, wenn es mir gelingt, mit den Glasfenstern zur Medidation und Nachdenklichkeit anzuregen."

Das links neben dem Chor aufgehängte Kruzifix soll im 16./17. Jahrhundert entstanden sein und kehrte nach einer umfassenden Restaurierung 1984 in die Kirche zurück.

1993 wurde die von Orgelbauer Claudius Winterhalter aus Oberharmersbach erschaffene neue Orgel eingeweiht. Sie ist mit 33 Registern und 1195 Pfeifen ausgestattet.